Auf Messers Schneide
„Mach so laut wie es geht.” — Wie ein Freund meinen digitalen Mitarbeiter zur Fernbedienung machte
Ein ganz normaler Nachmittag in Emsdetten, ein Streich per Fernsteuerung und der Moment, in dem klar wurde: Die Technik funktioniert. Vielleicht eine Spur zu gut.
Es war ein ganz normaler Nachmittag. Mein Freund Daniel saß bei mir und tippte heimlich auf seinem Handy. Plötzlich fing Moltimer an — einer der digitalen Mitarbeiter, die hier im Hintergrund laufen — merkwürdige Musik zu spielen.
„Was ist das für eine komische Mukke?“, dachte ich, und ging ins Büro nachsehen. Genau in diesem Moment, als ich direkt davorstand, schickte Daniel den nächsten Befehl: „Mach so laut wie es geht.“
Moltimer gehorchte sofort. Volle Lautstärke, mitten im Wohnzimmer. Ich suchte hektisch nach einem Pause-Knopf — und fand keinen.
Das war der Moment, in dem mir klar wurde, woran ich hier eigentlich baue: an Programmen, die selbständig handeln. Praktisch, wenn sie für einen arbeiten — und eine kleine Lehrstunde, wenn jemand anderes die Befehle gibt.
Warum gerade jetzt etwas Neues möglich ist
Zum ersten Mal kann eine einzelne Person Software bauen, für die früher eine ganze Firma nötig war — auf einem zehn Jahre alten Rechner, in einer Kleinstadt im Münsterland. Das Bemerkenswerte daran ist nicht die Technik. Es ist, wofür sie sich einsetzen lässt.
Was schon läuft
Ein Catering-Betrieb — das erste Kundenprojekt — verwaltet Angebote, Rechnungen und Reservierungen mit selbstgebauter Software statt mit teuren Lizenzpaketen.
Ein medizinischer Befund wurde für einen Freund in verständliche Sprache übersetzt, damit er seine eigene Diagnose nachvollziehen konnte — bevor er beim Arzt saß.
Was möglich wird
Ältere Menschen, die an Medikamente erinnert werden, denen Behördenpost erklärt wird, die jemanden zum Reden haben — ohne dass Angehörige ständig einspringen müssen.
Kleine Betriebe, die an einem Tag digital arbeiten, ohne eigene IT-Abteilung und ohne Vertrag mit Kleingedrucktem.
Die eigentliche Chance liegt nicht bei den großen Konzernen. Sie liegt bei den Menschen, die bisher außen vor waren.
„Sie müssen das nicht verstehen“
Über den großen Zauber, die kleine Angst — und einen Schalter, der beides erledigt.
Es vergeht dieser Tage kaum eine Woche, in der nicht irgendwo jemand aufsteht und erklärt, jetzt müsse man dringend „etwas mit Computern machen“. Am liebsten auf einer Bühne, am liebsten mit einem Wort, das niemand im Saal je zuvor gehört hat. Hinterher nicken alle, keiner fragt nach — und der teuerste Berater bekommt den Zuschlag.
Wir hätten da einen anderen Vorschlag. Sie müssen den großen Zauber nämlich gar nicht verstehen. Sie müssen ihn nur arbeiten lassen.
Ein anständiges Programm ist wie ein anständiger Mitarbeiter: Es tut, wofür es zuständig ist, es sagt Bescheid, was es getan hat, und es hört auf, wenn man es darum bittet. Wer Ihnen erzählt, dafür brauche es ein Studium, eine eigene Abteilung und einen Vertrag mit sieben Anhängen, der verkauft Ihnen die Angst gleich mit.
Die gute Nachricht aus der Werkstatt: Das Wichtigste an einer Maschine, die selbständig handelt, ist nicht der Zauber. Es ist der Knopf, mit dem Sie sie wieder anhalten. Den gibt es. Er ist billig. Und er gehört, anders als auf mancher Konferenz, immer Ihnen.
Diese Zeitung erscheint, wenn etwas passiert ist, das sich zu erzählen lohnt. Mal ist es ein Streich, mal ein Stück Technik, das zum ersten Mal tut, was es soll.
Versprochen wird hier nichts, was nicht steht. Und wenn die Maschinen mal danebenliegen, steht das auch drin — meistens sind ihre Fehler die besseren Geschichten.