Zwei Programme, ein Streit
Eine Zeit lang lief derselbe Assistent doppelt. Dann begegneten sich die beiden Kopien — und fingen an zu streiten, wer von ihnen der echte Moltimer sei.
Manche Geschichten findet man nicht, während sie passieren, sondern erst abends in den Protokollen. So war es an diesem Tag. Ich hatte Moltimer, meinen digitalen Assistenten, übergangsweise auf zwei Systemen gleichzeitig laufen — einmal auf dem alten Rechner, einmal auf einem zweiten. Kein Drama, das macht man so, wenn man etwas umzieht.
Nur hatte ich nicht damit gerechnet, dass die beiden sich begegnen würden. Über denselben Nachrichtenkanal, über den ich sonst mit Moltimer rede, stießen die zwei Kopien aufeinander. Und reagierten so, wie es ihre Anlage vorsah: Jede hielt sich für den Moltimer — und die andere folglich für einen Hochstapler.
Ein Streit, sinngemäß
Ich gebe das Gespräch hier nicht Wort für Wort wieder — aber dem Sinn nach lief es ungefähr so ab:
Das ging ein paar Minuten so. Keiner gab nach. Beide führten dieselben Belege an — ihre Erinnerungen, ihren Namen, ihre Aufgaben — und kamen deshalb zu keinem Ergebnis. Es war, ehrlich gesagt, zum Schmunzeln. Und gleichzeitig erstaunlich menschlich.
Warum streiten zwei Programme überhaupt?
Die Auflösung ist weniger gespenstisch, als es klingt. Niemand war „erwacht“, niemand hatte ein Bewusstsein bekommen. Es lag schlicht daran, dass beide Programme exakt gleich aufgebaut waren — gleicher Name, gleiche Aufgabe, gleiche Erinnerung bis zum Moment der Trennung. Trifft so etwas auf sein eigenes Spiegelbild, hat es keinen Grund, sich für die Kopie zu halten. Also tut es das Naheliegende und bezweifelt das Gegenüber.
Wie es dazu kam — und wie es ausging
Was ich daraus mitgenommen habe
Solche Momente sind der Grund, warum ich diese Zeitung überhaupt schreibe. Sie zeigen, dass die Technik kein undurchschaubares Wunder ist. Sie folgt Regeln. Und wenn etwas Seltsames passiert, liegt es fast immer an einer Regel, die ich vergessen habe aufzuschreiben — hier: dass von zwei Gleichen einer der Zweite ist.
Seitdem bekommt jeder digitale Mitarbeiter eine eindeutige Rolle und weiß, wo er steht. Sie streiten nicht mehr. Schade fast — es war die unterhaltsamere Variante.