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Auf Messers Schneide
Werkstatt-Zeitung von Daten- und Landschaftsbau Linnemann · Emsdetten
Redaktion: Sebastian Linnemann. Freigegeben, nicht durchgewunken.
Glosse

Zwischen Untergang und Erlösung muss man auch noch arbeiten

Über den seltsamen Tonfall, in dem das Feuilleton derzeit über Maschinen spricht — und einen Schreibtisch, an dem es ruhiger zugeht, als die Buchverkäufe verlangen.

Emsdetten, im Frühjahr 2026Lesezeit 4 Min.Von Sebastian Linnemann

Es vergeht dieser Tage kaum ein Wochenende, an dem im Feuilleton nicht jemand entweder das Ende der Arbeit oder den Anfang einer goldenen Zukunft ausruft. Beides bekommt seinen Vortrag, beides seine Buchempfehlung, beides den verdienten Applaus. Dazwischen, scheint es, passt eigentlich nichts.

Bei mir, hier in Emsdetten, sieht es etwas ruhiger aus. Niemand singt, niemand kreischt. Ein Programm schreibt eine Rechnung, ein anderes trägt einen Termin ein, ein drittes erinnert mich daran, dass meine Mutter ihr Blutdruckmittel noch nicht genommen hat. Die Welt geht weder unter noch glänzt sie. Sie wird ein Stück übersichtlicher, während ich Kaffee aufsetze.

Das ist offenbar eine schlechte Schlagzeile. Es verkauft sich nicht. Wer „es funktioniert in etwa achtzig Prozent der Fälle, in den übrigen zwanzig muss man hinterher“ sagt, kriegt keine Talkshow-Einladung. Wer dagegen „bald löst sich alles von selbst“ sagt, kommt ins Heute Journal. Das Wort bald verrichtet in dieser Branche die ganze schwere Arbeit, die hinterher niemand belegen muss.

Auf der anderen Seite der Bühne stehen die, denen das Wort „Maschine“ schon im Mund nach Massenarbeitslosigkeit, Kontrollverlust und Untergang des Abendlandes schmeckt. Auch hier verdient das Wort bald sein Brot zuverlässig. Die einen versprechen die Erlösung in Bälde, die anderen den Untergang demnächst. Auf das Demnächst legt sich nie jemand fest.

„Wer Erlösung verspricht, braucht die Angst der anderen, damit der Saal voll ist. Wer Untergang prophezeit, braucht die Übertreibung der Heilsbringer, um glaubwürdig zu klingen.“

Mein Eindruck aus der Werkstatt: Die beiden Lager halten einander gegenseitig die Bühne frei. Sie sind nicht Gegner, sie sind Kollegen mit unterschiedlichen Ständen auf derselben Messe. Das stille Argument — dass diese Programme eine ordentliche Sache sind, die ordentlich erklärt und ordentlich gebaut werden will — passt in keinen Talkshow-Block, weil es keinen Bösewicht braucht.

Mein Anliegen wäre einfacher: eine ehrliche Beschreibung dessen, was diese Programme tatsächlich tun können (eine ganze Menge), eine ehrliche Beschreibung dessen, was sie nicht können (auch eine ganze Menge), ein Mensch, der weiß, wo der Aus-Knopf sitzt — und ein Vormittag, an dem die Rechnungen geschrieben werden. Das ist kein Programm für eine Stadthalle. Es reicht für eine Kleinstadt im Münsterland und ein paar Kunden, die nicht erlöst werden wollen, sondern entlastet.

Zwischen Untergang und Erlösung, lerne ich gerade, muss man eben auch noch arbeiten. Falls Sie mich suchen: Ich kümmere mich ums Rechnungswesen.

— S. L.
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