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Auf Messers Schneide
Werkstatt-Zeitung von Daten- und Landschaftsbau Linnemann · Emsdetten
Redaktion: Sebastian Linnemann. Freigegeben, nicht durchgewunken.
Reportage

Der Erfinder behandelt sich selbst

Bevor irgendjemand sonst meine Software benutzt, benutze ich sie an mir. Mein eigener Alltag ist die Teststrecke — mit allem, was dabei schiefgeht.

Emsdetten, im Frühjahr 2026Lesezeit 6 Min.Von Sebastian Linnemann

Es gibt diese alte Geschichte vom Erfinder, der seine Mittel zuerst an sich selbst ausprobiert, bevor er sie der Welt anbietet. Ein bisschen verrückt, ein bisschen mutig. Ich muss zugeben: So halte ich es auch. Nur sind meine Mittel keine Tinkturen, sondern Programme. Und mein erstes Versuchskaninchen bin immer ich.

Das hat einen handfesten Grund. Ich habe einen Kopf, der voller Ideen steckt, aber schwer Ordnung hält. Termine, Rechnungen, Behördenpost, drei Projekte gleichzeitig — das rutscht mir durch die Finger, wenn ich es nicht festhalte. Andere kaufen sich dafür einen Kalender. Ich baue mir einen Mitarbeiter, der mitdenkt.

Erst an mir, dann an anderen

Wer Software verkaufen will, kann zwei Wege gehen. Der eine: schön aussehen lassen, Hochglanz, und hoffen, dass beim Kunden niemand zu genau hinschaut. Der andere: das Ding selbst benutzen, jeden Tag, bis man jede raue Kante am eigenen Leib gespürt hat. Ich gehe den zweiten Weg — nicht aus Tugend, sondern weil ich faul bin: Ich will nichts zwei Mal erklären müssen, schon gar nicht eine Macke, die ich selbst hätte finden können.

Was bei mir längst durch die eigene Software läuft

Post
Behördenbriefe. Werden mir in einfache Sätze übersetzt und nach Dringlichkeit sortiert, bevor ich sie überhaupt öffne.
Termine
Kalender. Ein Helfer trägt ein, erinnert und fragt nach — auch dann, wenn ich es längst verdrängt habe.
Rechnungen
Papierkram. Dieselbe Software, die heute das Catering meiner Mutter verwaltet, hat zuerst meinen eigenen Bürokram geordnet.
Nachts
Mitdenken. Während ich schlafe, sortieren die digitalen Mitarbeiter vor, was am Morgen auf dem Tisch liegt.

Und ja, es geht auch schief

Zum Selbstversuch gehört, dass nicht alles gelingt. Ein Helfer hat mir schon eine Erinnerung dreimal hintereinander geschickt, weil ich ihm eine Regel doppelt gegeben hatte. Ein anderer hat einen Termin zu gewissenhaft verschoben. Das sind die Momente, in denen ich froh bin, dass ich sie erlebe und nicht ein Kunde im laufenden Geschäft.

Genau das ist der Sinn der Sache. Ein Selbstversuch ist kein Werbespruch — er ist eine Haftungserklärung. Wenn ich Ihnen etwas anbiete, dann etwas, das ich selbst überlebt habe.

„Ich verkaufe nichts, was ich nicht selbst jeden Tag benutze. Das ist die ganze Garantie — und sie ist mehr wert als jedes Versprechen.“

Falls Sie also das Gefühl kennen, dass Ihnen der Papierkram über den Kopf wächst: Es gibt einen Weg, ihn an etwas abzugeben, das nicht müde wird. Ich habe ihn an mir selbst getestet.

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Auf Messers Schneide · Ausgabe EmsdettenSebastian G. Linnemann · Oststraße 2 · 48282 EmsdettenNächste Ausgabe: wenn genug passiert ist.